Der „Bebel“ braucht Partizipation!

Trotz Überarbeitung sind die von der Verwaltung vorgelegten Umbaupläne für den August-Bebel-Platz in der Bezirksvertretung Wattenscheid erneut durchgefallen. Eine Mehrheit ist weiterhin gegen den Umbau zu einem autofreien Platz. Betroffene vor Ort haben sich gegenüber der Lokalpresse ebenfalls immer wieder gegen die Herausnahme des Autoverkehrs ausgesprochen. 

Die CDU-Ratsfraktion sowie die Ratsgruppe FDP-UWG:Freie Bürger haben sich mit Änderungsanträgen im Mobilitätsausschuss Ende Mai 2026 gegen einen autofreien Umbau ausgesprochen. Trotz eingehender Debatte sah die SPD-Ratsfraktion im Ausschuss noch Beratungsbedarf. Die Entscheidung fällt jetzt am 11.06.2026 im Hauptausschuss. 

Nach der Debatte im Mobilitätsausschuss wird dieser nun vor der Entscheidung stehen: ein autofreier Umbau oder aber auf Jahre kein Umbau. Fördertöpfe dürften sich nämlich wohl nur für einen autofreien Umbau öffnen. Damit steht der Hauptausschuss aber auch vor die Frage: Setzen sich die Ratsmitglieder über die Stimmung in Wattenscheid hinweg?

Vor Wochen hörte man hierzu noch aus dem Rathaus: Man wolle nicht über den Willen vor Ort hinweg entscheiden. 

Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke hat dies gegenüber der Lokalpresse aber bereits abgeschwächt: Eine offizielle Abfrage des Bürgerwillens würde es ja gar nicht geben. Und Menschen, die etwas befürworten, würden sich ohnehin weniger zu Wort melden.

Qualifizierte Beteiligung gab es in den letzten Jahren zum „Bebel“ tatsächlich nicht!

Was Planungsamtsleiterin Heike Möller im Mobilitätsausschuss als „große Bürgerbeteiligung“ ausrief, sah so aus: 2018 gab es zunächst einen Workshop. Im Oktober 2022 konnten im Rahmen eines Planungswettbewerbs am Tag vor der Preisverleihung zu den acht Umbau-Vorschlägen nur noch Anmerkungen gemacht werden. Im Juni 2025 lehnte Rot-Grün im Mobilitätsausschuss eine vom Netzwerk angeregte qualifizierte Beteiligung ebenso ab wie einen hierauf gerichteten CDU-Antrag. Stattdessen gab es im Juli 2025 vor Ort nur noch die Möglichkeit, sich die damals aktuelle Planung fachkundig erläutern zu lassen und Anregungen zu äußern. 

Warum scheuen Verwaltung und Politik im Rathaus eine qualifizierte Bürgerbeteiligung zu dem aktuellen Umbaukonzept?

Partizipation muss doch gerade dann sein, wenn Widerstand zu erwarten ist! Gerade dann muss es einen Austausch geben. Betroffene wollen ernst genommen werden. Nur dann besteht überhaupt die Chance auf Akzeptanz! 

Wie eine Beteiligung zum „Bebel“ aussehen könnte, hat das Netzwerk bereits in seiner Eingabe vor einem Jahr ( hier ) skizziert: Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik müssten gemeinsam an einem runden Tisch zusammenkommen. 

Einen Umbau des „Bebel“ wollen schließlich alle. Ist ein Umbau aber nur möglich, wenn Fördermittel fließen, und gibt es die nur, wenn autofrei umgebaut wird, so muss das in der Zivilgesellschaft in Wattenscheid zunächst einmal transparent gemacht werden. Wird Information hierüber und Austausch hierzu einfach verweigert, steigert das nur die Politikverdrossenheit. Und in Wattenscheid fühlt sich ein Großteil der Menschen ohnehin schon abgehängt.