Ratsbürgerentscheid – ohne Information bleibt nur ein NEIN!

Bis zum 19. April 2026 soll Bochum durch Ratsbürgerentscheid über seine Beteiligung an der Bewerbung zu „Olympia/Paralympics KÖLN/Rhein-Ruhr“ abstimmen. Der Rat hat die Entscheidung an die Bürger:innen abgegeben (https://bochum.ratsinfomanagement.net/vorgang/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZWjVWsrZA60IAYV7wbL8M1U ). Diese allein entscheiden durch Briefwahl – vom Rat gewährte direkte Demokratie also. Endlich mal echte Bürgerbeteiligung in Bochum!

Aber sind die zur Entscheidung Aufgerufenen auch umfassend über die möglichen Folgen einer erfolgreichen Bewerbung informiert?

Zwar wird an BOGESTRA-Haltestellen farbenfroh für Olympia geworben – und mittlerweile fährt die Linie 302 mit Werbung für die Spiele als Olympia-Express nach Gelsenkirchen und zurück. Mögliche Nachteile für Bochum durch die Austragung der Spiele werden aber nicht öffentlich diskutiert!

Bis heute gab es nur eine von „Bochum Marketing“ bereits im Dezember 2025 durchgeführte Podiumsdiskussion zur Bochumer Bewerbung (Einladung hier https://www.bochum.de/Pressemeldungen/26-November-2025/Podiumsdiskussion-im-Stadtarchiv–Olympia-in-Bochum- ). Dort war das Podium geschlossen für eine Bewerbung – olympiakritische Stimmen Fehlanzeige! Solche waren dem Plenum vorbehalten (Bericht hier https://stadtentwicklung.net/2025/12/olympia-koeln-rhein-ruhr/ ).

Auf der von der Verwaltung als zentrale Beteiligungsplattform für Bochum ausgerufenen Seite (siehe in Vorlage https://bochum.ratsinfomanagement.net/vorgang/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZS3TFsGbR40x0Yd2qG0NSFM ) bochum-mitgestalten.de finden sich keine Informationen zum Bürgerentscheid – erst recht keine Veranstaltung hierzu. 

Kritische Stimmen von im Rathaus vertretenen Parteien finden sich zwar auf bochum.de (siehe hier https://www.bochum.de/Referat-fuer-Sport-und-Bewegung/Olympische-Spiele-an-Rhein-und-Ruhr ). In dem den Briefwahlunterlagen beigefügten „Abstimmungsbuch“ finden sich aber nur Stellungnahmen und Empfehlungen der im Rat vertretenen Fraktionen – die in Gruppen zusammengeschlossenen Parteien und der in den Rat gewählte Einzelmandatsträger kommen hier gar nicht vor! 

Aber vielleicht wissen Politik und Verwaltung ja selbst nicht, auf was sie sich mit einer Bewerbung einlassen. In der Antwort der Verwaltung auf eine 30 Fragen starke Anfrage der Fraktion „Die Linke“ (hier Fragen und Antwort https://bochum.ratsinfomanagement.net/vorgang/?__=UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZVmiOlWCPh5QeG_yXs9Dpig ) heißt es nämlich:

„ …wurde die Anfrage an die Staatskanzlei weitergeleitet mit der Bitte sich dazu zu verhalten.“

Dabei betont die Verwaltung in der Antwort selbst, dass „die Durchführung einer der weltweit größten Sportveranstaltungen weitreichende Auswirkungen auf die Ausführungs-Region hat, unterschiedichste Fragestellungen aufwirft und Begeisterung, aber auch Bedenken hervorruft.“Und gerade deshalb „wurde ganz bewusst das Instrument einer weitreichenden Bürgerbeteiligung in Form eines Ratsbürgerbescheides für die Bewerberstädte gewählt,“

Wie sollen Bürger:innen aber verantwortungsbewusst entscheiden, wenn die Verwaltung selbst für Bochum keine Antworten auf die unterschiedlichsten Fragestellungen hat? 

Dass die Verwaltung zu der bedeutsamen Kostenfrage nichts sagen kann, macht der den Abstimmungsunterlagen beigefügte Flyer mit „Informationen zur Kostenschätzung“ nochmal deutlich. Dort heißt es auf Seite 5 unten: „Die Bewerbung erfolgt im Verbund als Region. Daher ist das Land NRW Urheber der vorliegenden Informationen zur Kostenschätzung.“

Die Verwaltung weiß von nichts – muss sie ja auch nicht! Entscheiden sollen ja die Bürger:innen – vorher aber offenbar nur über die von Olympia erhofften Vorteile für Bochum informiert.

Eine Bürgerentscheidung kann auf dieser Basis nur lauten:

NEIN 

zu einer Beteiligung der Stadt Bochum an der gemeinsamen Bewerbung der Region KÖLN/Rhein-Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044!