

Wer 1995 von der Höfestraße auf die Markstraße einbiegen wollte, wurde durch eine Tafel (siehe Foto) darauf hingewiesen, dass der Bund hier den Weiterbau der A44 (DüBoDo) von Witten quer durch Bochum bis Hattingen gegen den Willen des Landes, der Stadt und der Bürgerschaft durchsetzen wollte. Heute fällt hier der Blick auf die Lärmschutzwände (siehe Foto) der sog. „Querspange“ als Teil der neuen A 448, die quer durch Bochum das Autobahnkreuz A 43/A 44 in Witten mit der mittlerweile 6-spurig ausgebauten A 40 in Wattenscheid verbindet..
Dabei waren solche Autobahnpläne des Bundes damals in Bochum doch jahrelang an dem gemeinsamen Widerstand von Stadt, Zivilgesellschaft und Landesregierung gescheitert. Zudem hatte sich die SPD im damaligen Kommunalwahlkampf gegen einen A 44-Weiterbau ausgesprochen. Und gab es nicht seit Mitte 1995 die erste rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf, als deren Architekt doch SPD-Landesverkehrsminister Wolfgang Clement – ein „ Bochumer Junge“- galt? War in deren Koalitionsvertrag nicht festgelegt, „die A 44 (DüBoDo) wird abgelehnt“?
Aber schon im November 1995 führte Wolfgang Clement mit einem weiteren „Bochumer Jungen“, Norbert Lammert, Staatssekretär im CDU-Bundesverkehrsministerium von Matthias Wissmann, Gespräche mit dem Ziel, einen A 44-Weiterbau teilweise durchzusetzen: Die A 44 sollte vom Autobahnkreuz A43/A44 in Witten bis Bochum-Steinkuhl als „Querspange“ weitergebaut und dort an den Bochumer Außenring – bis dahin innerstädtische Entlastungsstraße – angeschlossen werden. Der Außenring sollte bis Stahlhausen zur Autobahn hochgestuft und dort durch das sog. „Westkreuz“ an die A 40 angeschlossen werden. Die A 40 sollte durch Wattenscheid 6-spurig ausgebaut werden. Und heißen sollte dieses anti-ökologische Megaprojekt dann „Bochumer Lösung“.
Mit Bekanntwerden dieser Pläne im Dezember 1995 formierte sich umgehend Widerstand in der Bochumer Zivilgesellschaft. Betroffene in Laer/Steinkuhl wiederbelebten die bereits in den 70er-Jahren gegen einen Weiterbau der A 44 erfolgreiche angetretene „Bürgerinitiative Bochum gegen die DüBoDo“ .
Im Januar 1996 wurden dann die Weichen auf Bau einer Autobahn quer durch Bochum gestellt. Die Bochumer SPD kündigte auf ihrem Unterbezirksparteitag am 27.01.1996 den bis dahin gemeinsamen Widerstand mit der Bochumer Bürgerschaft gegen einen Weiterbau der A44 (DüBoDo) auf. Wolfgang Clement hatte seine Bochumer SPD zur Rolle rückwärts in der Autobahnfrage überredet: Mit der „Bochumer Lösung“ sei für zumindest 20 Jahre der Druck aus der Diskussion um dem Weiterbau der A 44 durch den Bochumer Südwesten vom Tisch. Die Bundesplanung für den Durchbau bis Hattingen verschwand erst einmal in den Schubladen.
Der Widerstand vor Ort gewann dadurch aber noch an Fahrt. Durch die Zusammenarbeit mit weiteren Initiativen auf Landesebene, die sich gegen den Ausbau des Flughafens Dortmund und die Aufweichung des Nachtflugverbots in Köln/Bonn aufgestellt hatten, kam es zu einer Spaltung bei den NRW-Grünen. Auf deren Landesdelegiertenkonferenz am 16.03.1996 in Hamm gab es dann aber eine Mehrheit für die Autobahnpläne von Wolfgang Clement. Die Koalition in Düsseldorf durfte schließlich nicht aufs Spiel gesetzt werden!
Der Widerstand vor Ort war damit aber lange nicht beendet. Nicht nur Bürger:innen aus ganz Bochum schlossen sich an, auch die SPD im Bezirk Süd und die Bochumer Grünen unterstützten die Bürgerinitiative gegen die DüBoDo.
Die Unterstützung aus der Bochumer Politik schwand erst, als es auf die Kommunalwahlen 1999 zuging. Zunächst hatten sich die bis dahin widerständigen Genoss:innen im Bochumer Süden der Entscheidung des SPD-Unterbezirksparteitags gebeugt. Und als die SPD bei der Wahl dann nach Jahrzehnten erstmals ihre absolute Mehrheit im Bochumer Rathaus verloren hatte, gingen die Grünen dort eine Koalition mit der SPD ein. Den Preis zahlten sie mit der Aufgabe ihres Widerstandes gegen die Autobahnpläne. Zwar wurde in diesem Punkt ein Dissens in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Die Bochumer Grünen konnten die Autobahnprojekte also weiterhin aus ökologischen und verkehrspolitischen Gründen ablehnen. Um die Koalition nicht zu gefährden, mussten sie aber bei allen die Autobahnpläne betreffenden Haushaltsentscheidungen mit der SPD stimmen.
Der Widerstand in der Zivilgesellschaft hingegen war weiterhin ungebrochen. Dieser wurde erst am 09.06.2010 vor dem Bundesverwaltungsgericht entscheidend gestoppt: Eine Klage von 13 Kläger:innen gegen den Bau der „Querspange“ vom Autobahnkreuz AK 43/44 bis zum Außenring in Steinkuhl wurde abgewiesen. Der erste Spatenstich für die „Querspange“ erfolgte im November 2012. Vierspurig läuft der Verkehr hier seit Mitte 2024. Vorausgegangen waren der 6-spurige Ausbau der A 40 in Wattenscheid, der Neubau des „Westkreuzes“ und die Hochstufung des Außenrings zum Teilstück der neuen A 448.
Ob die Pläne für den Weiterbau der Autobahn durch den Bochumer Südwesten nach Hattingen noch aus den Schubladen der Planungsbüros geholt werden? Ob es dann in Bochum wieder zu einem Schulterschluss zwischen Politik und Zivilgesellschaft kommen wird?
Der aktuelle rot-grüne Koalitionsvertrag für Bochum verspricht schon mal Bürgernähe durch mehr Bürgerbeteiligung. Das lässt doch zumindest hoffen!
