Fotos und Webcam – „Urban-Blue“ zwischen Transparenz und Zynismus! (24.11.2022)

Da sage noch eine/r, die Stadt Bochum würde ihre Bürger*innen nicht an wichtigen Stadtentwicklungsmaßnahmen teilhaben lassen. Sie schafft sogar Transparenz, wenn Verwaltungsaufgaben in private Gesellschaften ausgegliedert sind.

Wie von den WasserWelten Bochum zum Start der Abriss-Arbeiten am Freibad Langendreer im Oktober 2022 angekündigt, können die Arbeiten auf der Baustelle des zukünftigen „Urban Blue“ nun „jederzeit transparent verfolgt werden.“

Die angekündigte Webcam, mit der die Arbeiten direkt in die Wohnzimmer der Bürger*innen übertragen werden sollen, ist nun eingerichtet, aber offenbar noch nicht gestartet (https://urbanblue.wasserwelten-bochum.de/). Bisher konnten sich die Betroffenen bereits über Fotos auf der Seite der WasserWelten einen Eindruck vom Abriss ihres Freibades verschaffen. Niemand musste zur Baustelle, um dort einen Blick über den Zaun zu werfen. Bilder vom Abriss konnten direkt in die Wohnung geholt werden. Jetzt soll die Webcam die weiteren Arbeiten auch direkt übertragen. Wer will, kann deren Fortgang dann vom Sofa aus verfolgen. Live dabei, mehr Transparenz geht doch wohl nicht!

Da sammelt die Bürgerinitiative „Das Freibad Langendreer darf nicht ‚baden‘ gehen“ fast 7.000 Unterschriften für den Erhalt des Freibades und fordert über Monate Transparenz und Bürgerbeteiligung. Und die rot/grüne Koalition im Rathaus und die stadteigene WasserWelten Bochum GmbH bzw. die Holding für Versorgung und Verkehr GmbH Bochum mit ihrem mehrheitlich von Ratsmitgliedern, allen voran Oberbürgermeister Thomas Eiskirch besetzten Aufsichtsrat schieben währenddessen den schwarzen Peter der Verantwortung für die Abrissentscheidung wechselseitig hin und her.  Am Ende geht der Bürgerwille dann doch „baden“ und die Initiative muss sich noch sagen lassen, auch sie würde später einmal einsehen, dass die Abrissentscheidung für alle gut und richtig gewesen sei. Und zur Krönung werden Fotos von den Abrissarbeiten auf die Website gestellt und schließlich eine Webcam eingerichtet. Das wird dann auch noch als Akt „jederzeitiger Transparenz“ verkauft. Mehr Zynismus geht kaum!

Das Netzwerk sieht sich einmal mehr in seiner Annahme bestätigt, dass Verwaltung und Politik in Bochum trotz einiger erster Schritte hin zu mehr Partizipation immer noch nicht verstanden haben, was denn wohl mit echter Bürgerbeteiligung gemeint sein könnte.

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